Lehrerausbildung in NRW soll besser werden
Stefan Haase, WDR
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) erklärte, die Ausbildung solle noch enger an den Anforderungen im Schulalltag ausgerichtet werden. Der NRW-Landtag soll noch vor der Sommerpause über den Reformvorschlag abstimmen, damit das neue Gesetzt bereits ab Oktober für das kommende Wintersemester in Kraft treten kann.
Was sind die größten Änderungen?
Bislang gibt es schon im Bachelor-Studium zwei Pflichtpraktika für die Studierenden: Ein Eignungs- und Orientierungspraktikum sowie ein Berufsfeldpraktikum. Das Eignungs- und Orientierungspraktikum soll jetzt von 25 auf 30 Tage verlängert werden, damit angehende Lehrerinnen und Lehrer noch mehr Einblicke in ihren neuen Beruf bekommen.
Das zweite Praktikum, das Berufsfeldpraktikum, dauert mindestens vier Wochen und musste bisher nicht zwangsläufig in einer Schule stattfinden, sondern konnte auch in anderen Branchen absolviert werden. Mit der neuen Reform soll sich das ändern. Dann wird es für die Studierenden Pflicht, auch dieses Praktikum in einer Schule zu machen.
Als zweite große Änderung soll ein neues Fach an Schulen eingeführt werden: Deutsch als Zweitsprache. Damit will das Land die Schülerinnen und Schüler in den Fokus rücken, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und sie so besser in den Schulalltag integrieren. Außer an Gymnasien soll das Fach bald an allen weiterführenden Schulformen in NRW angeboten werden. Allein im vergangenen Schuljahr gab es laut Schulministerium rund 100.000 Kinder und Jugendliche an NRW-Schulen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
Mehr Fokus auf Sonderpädagogik und Quereinsteiger
Bislang reichte es für Lehrkräfte an Förder- und Sonderschulen aus, sich entweder auf Sprache oder Mathematik zu konzentrieren. Mit der Reform sollen angehende Sonderpädagogen jetzt in beiden Fachbereichen ausgebildet werden. "Gerade für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf sind starke Kompetenzen beim Lesen, Schreiben und Rechnen wichtig. Deshalb stärken wir diese Bereiche gezielt in der Ausbildung der künftigen Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen", so Schulministerin Feller.
Außerdem sollen es Quereinsteiger in Zukunft leichter haben, an NRW-Schulen als Lehrer eingesetzt zu werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man auch mit nur einem Unterrichtsfach zum Referendariat zugelassen werden. Bislang war es für angehende Referendare Pflicht, mindestens zwei Schulfächer im Studium abgeschlossen zu haben. Durch die Neuerung sollen zum Beispiel Lehramtsabschlüsse einfacher anerkannt und mehr Lehrer für die Schulen gewonnen werden.
Junge Menschen für den Beruf begeistern
Vor allem hofft das Ministerium, damit wieder mehr junge Menschen für den Lehramtsberuf begeistern zu können. Mit der verlängerten Praxisphase im Studium sollen sie besser auf die späteren Herausforderungen im Klassenzimmer vorbereitet werden. Dadurch, dass es auch Quereinsteiger unter bestimmten Herausforderungen in Zukunft leichter haben sollen, als Lehrer zu arbeiten, will das Schulministerium besser gegen den Lehrkräftemangel vorgehen.
Kritik an den Plänen: Kommen Grundschulen zu kurz?
Der Verband Bildung und Erziehung Nordrhein-Westfalen (VBE NRW) sieht in der Reform einige gute Impulse für die Lehrerausbildung im Land. Er glaubt allerdings, dass dadurch der Lehrkräftemangel an Grundschulen nicht bekämpft wird. Viele Grundschullehrer verzweifelten an der Arbeitsbelastung und fehlenden Unterstützungssystemen. Sie müssten zum Beispiel immer häufiger Schüler fördern, die gar kein, oder nur wenig Deutsch sprechen. Veränderungen nur in der Lehrerausbildung hätten darauf aber keinen Einfluss.
Die Verlängerung der Praktika begrüßt der Verband zwar, warnt aber auch davor, dass Studierende dadurch weniger Zeit für Nebenjobs hätten und sie das finanziell belasten könnte. Und dadurch, dass auch das zweite Pflichtpraktikum im Bachelor in einer Schule stattfinden soll, würden die Studierenden Einblicke in andere Branchen verlieren, die für Lehrkräfte ebenfalls relevant sein könnten.